"Ich gehe nicht zum Schmiedel, ich gehe gleich zum Schmied." Brauchen wir also überhaupt die Hilfe Mariens, um zu einer tieferen Christuserkenntnis zu kommen?
Als Beweis für diese Auffassung wird angeführt, dassja nur so wenig über Maria in der Bibel steht. Dem widerspricht der bekannte Bibelfachmann, P. Dr. Klemens Stock SJ, wenn er schreibt: "Die Aussagen, die wir im Neuen Testament über Maria finden, sind so reich und tief, dass wir sie nie ausschöpfen können!"
So möchte ich in einer Serie versuchen, genau zu bedenken, was die Bibel über Maria sagt.
Die Verheißung der Geburt Jesu
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben" (Lk 1,26-33; vgl. 1,26-38).
Diesen wichtigen Text wollen wir in zwei Abschnitten behandeln. Im Folgenden der erste Teil.
Im sechsten Monat nach der Sendung des Engels Gabriel zu Zacharias wird dieser Bote Gottes (es handelt sich um einen besonderen Engel, auch "Thronenengel" genannt) nach Nazaret zu einem ganz jungen Menschenkind gesandt. Nazaret, ein unbedeutendes Dorf in Galiläa, nach neuesten Ausgrabungen schließen Archäologen, dass diese Ansiedlung nur etwa 50 Häuser umfasste.
Maria war mit einem Mann namens Josef aus dem Geschelcht Davids verlobt. Mit dieser Feststellung sollteschon jetzt darauf hingewiesen werden, dass Jesus vor dem Gesetz als Sohn Davids galt. Eine Verlobte galt damals dem Bräutigam fest versprochen, blieb aber noch bis zur Hochzeit im elterlichen Haus und hatte keinen ehelichen Verkehr mit ihrem Bräutigam. Als Verlobungsaltar (mit seltenen Ausnahmen) galt damals zwölf bis zwölfeinhalb Jahre.
Dieses jugendliche Alter weckt in uns Verwunderung: Wählt Gott jedoch für seine großen Pläne nicht gerade das Unscheinbare, Niedrige? Der Engel begrüßt Maria mit "chaire", zunächst einem griechischen Alltagsgruß. Aber können wir uns vorstellen, dass der Èngel seine wichtige Botschaft mit "Guten Tag" beginnt? So klingt doch höchstwahrscheinlich der ursprüngliche Sinn von "chaire", "freue dich", hindurch. Was der Engel Maria bringt, ist doch die Frohbotschaft. Der Engel begrüßt Maria als "Begnadete". Das bedeutet zunächst, dass der so Begrüßten Heil widerfahren ist. So ist sie von Gott besonders erwählt. Sie ist aber ach befähigt, die Engelsbotschaften zu verstehen und dürfen wir nicht ergänzen, auch ihr so bedeutsames: "Ich bin die Magd des Herrn" zu sprechen? Die uns geläufige Übersetzung aus dem Lateinischen "Du bist voll der Gnade" soll vielleicht andeuten, dass christliche Betrachtung in diesem Gruß noch eine tiefere Bedeutung gefunden hat.
Der zweite Grußvers beginnt mit den Worten "Der Herr ist mit dir". Große Gestalten der Heilsgeschichte hatten dieselben Worte vernommen, damit sie gestützt und ermutigt seien: so Mose, als er in der Wüste zum Retter seines Volkes berufen wurde. Maria steht durch diesen Gruß in der Reihe der großen Rettergestalten Israels. "Der Herr ist Maria schon nahe, begnadigend und beschützend zur Seite und er wird es weiterhin sein." "Damit erhält die Erzählung von Anfang an eine Ausrichtung auf Maria, die als Erwählte und Begnadete zugleich auch verantwortlich Handelnde ist."
Maria erschrickt nicht - anders als Zacharias - durch das Kommen des Engels, sondern über seine ehrende und verheißungsvolle Anrede. Wenn der Erzähler Mariens Verwirrung, die aber bald ihrem Nachsinnen weicht, schildert, will er damit auch ihre demütig kindliche Zurückhaltung und geistliche Besonnenheit schildern.
Gnadenvolle Verheißung
Durch das fragende Nachdenken soll die Antwort des göttlichen Boten vorbereitet werden.
"Die Macht der Gnade wird Überraschendes wirken: Und siehe. Der Engel verkündet, wozu Gott Maria erwählt hat. Die Worte der Verkündigung klingen an die Weissagung an, mit der der Prophet Isaias den Emmanuel (`Gott mit uns´) verheißen hat: ,Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen Emmanuel nennen' (Is 7,14; vgl. Mt 1,23). ... Ein Mann und Vater wird nicht genannt. Das Geheimnis der jungfräulichen Empfängnis wird vorbereitet. ... Das Kind soll Jesus heißen. Gott bestimmt diesen Namen, Maria wird ihn geben. Der Name wird nicht gedeutet, wie auch der Name Johannes nicht gedeutet wurde. Alles, was über die beiden gesagt ist, deutet ihre Namen. Im Namen liegt die Sendung Gottes ausgesprochen. Gott will durch Jesus Retter sein. ... Johannes ist ,groß vor Gott', Jesus ist groß ohne Einschränkung und Maß. Er wird Sohn des Höchsten genannt werden und sein. Der Name gibt das Wesen wieder. Der Höchste ist Gott. Die Kraft des Allerhöchsten wird Maria überschatten, ihr Sohn wird darum Sohn Gottes heißen. An dem Kind, das verkündet wird, geht die Weissagung in Erfüllung, die Gott durch den Propheten Nathan dem König David gegeben hat, die wie ein leuchtender Stern Israel in seiner Geschichte begleitete:,Sind deine Tage erfüllt und legst du dich zu deinen Vätern schlafen, dann werde ich Samen aus deinen Lenden erwecken und diesem sein Königtum bestätigen. Er wird meinem Namen ein Haus bauen, und ich werde seinen Königsthron auf immer begründen. Vater will ich ihm sein, und er ist mein Sohn. ... Dein Haus und dein Königtum soll immer vor dir bestehen; dein Thron soll für ewige Zeiten befestigt werden' (2 Sm 7,12-16).
Jesus wird Herrscher aus dem Hause Davids und zugleich Sohn Gottes, Davidssohn und Gottessohn sein. Sein Königtum währt ewig. ... An ihm wird in Erfüllung gehen, was vom Knecht Gottes gesagt ist: ,Zu wenig ist´s, dass du mein Knecht bist, um Jakobs Stämme wieder aufzurichten und Israels Versprengte wieder heimzuholen. Ich mache dich vielmehr zum Licht der Heiden; mein Heil reicht bis ans Ende der Welt' (Is 49,6). Jesus wird das Gottesvolk sammeln, auch Die Heiden werden einbezogen sein. Er wird ein Welt, Völker und Zeiten umspannendes Reich begründen."1
Für das Leben
1. "Gegrüßet seist du, Maria."
Ehrfürchtig sollen wir diesen Engelsgruß an Maria aussprechen. Es wird aber auch ein Unterton der Freude mitklingen: "Freue dich ...".
In einer Erscheinung sagte die heilige Maria zur heiligen Mechthild von Hackeborn: "Über diesen Gruß ist noch nie ein Mensch hinausgekommen; und niemals kann mich jemand wohlgefälliger grüßen als mit diesem Gruß in aller Hochachtung, den mit dem Wort ,Ave' Gott-Vater mir entboten hat."
2. "Voll der Gnade." Schon im ersten Teil des Verkündigungsabschnitts ist deutlich geworden, dass Maria ganz auf Jesus hingeordnet ist. Wenn wir im "Gegrüßet seist du, Maria" von der Mutter Jesu bekennen, dass sie voll der Gnade ist, so ist dies nicht nur Vergangenheit: Ihre Gnadenfülle bewirkt auch, dass sie uns heute zu Jesus führt - IHN tiefer erkennen und lieben hilft.
P. Benno Mikocki
1 Geistl. Schriftlesung, A. Stöger, Patmos
Was vom Himmel fällt, muss aus der Erde wachsen Warum das Ja Marias (und unseres) notwendig ist
Im Jahr 1991 war der damalige Bischof von Aachen Klaus Hemmerle im Bildungshaus St. Georgen am Längsee zu den "St. Georgener-Gesprächen" eingeladen, für die er sich "Einheit als Lebensstil" als Thema gewählt hat. In einem Referat über Maria, die Mutter Jesu, hat er einen bedenkenswerten Satz formuliert: "Was vom Himmel fällt, muss aus der Erde wachsen." Damit wollte Bischof Hemmerle sagen: Wenn wir in die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes schauen, dann müssen wir feststellen, das Gott so handelt. Es ist er, der die Dinge wirkt, aber er tut es so, dass er dabei Menschen einbezieht. Er will die Dinge nicht allein tun, sondern beruft Menschen, dazu ihren Beitrag zu geben. Und das wird überdeutlich bei Maria.
Gott wird gegenwärtig - nicht ohne menschliche Hilfe
Wenn man sehen will, wie Gott seine Dinge tut und dabei Menschen einbezieht, dann legt es sich nahe, in der biblischen Geschichte bei Abraham zu beginnen. Er bekommt die Verheißung, dass er ein Segen sein soll für die Völker (vgl. Gen 12,2). Gott will auf heilsame und erlösende Weise in der Geschichte der Menschen gegenwärtig werden und wirksam sein. Er will es durch einen Menschen und ein Volk, das er sich dazu erwählt. Und so beginnt die Glaubensgeschichte des Volkes Israel. Im und durch den Glauben dieses Volkes wird Gott gegenwärtig. Das ist die einzigartige Berufung Israels, zu dem Gott zuerst gesprochen und mit dem er einen neuen Bund geschlossen hat, so dass es Volk Gottes ist. "Was vom Himmel fällt, muss aus der Erde wachsen." Also: Was Gott uns Menschen schenken will, das schenkt er uns durch Menschen, die seine Geschenke im Glauben annehmen und weitergeben. Das zeigt sich auch bei Jesus. Er ist das Geschenk Gottes schlechthin, Gottes erlösende Gegenwart unter uns. Er wird als Immanuel verkündet, das heißt "Gott mit uns" (vgl. Mt 1,23). Auch hier nimmt Gott das Irdische und das Menschliche in Anspruch. Gott wird gegenwärtig in einem Menschen: Jesus von Nazaret. In den menschlichen Worten Jesu - hören wir Gott. In den menschlichen Gesten Jesu - sehen wir, wie Gott sich zu uns verhält. In der Bereitschaft Jesu zu leiden und in seinem Sterben - erfahren wir Gottes Liebe, die bis zum Äußersten geht.
Maria - Gottesgebärerin
"Was vom Himmel fällt, muss aus der Erde wachsen." Wenn dieser Satz von Jesus gilt, dann ist klar, dass dabei Maria, seiner Mutter, eine besondere Rolle zukommt. Vom Himmel kommt das göttliche Wort und es wächst aus der Erde, weil es als Mensch geboren wird - aus Maria. Sie schenkt Jesus das menschliche Leben und macht es so möglich, dass Gott Mensch werden kann. Und so hat sie durch das Konzil von Ephesus im Jahr 431 den Ehrentitel "Gottesgebärerin" erhalten. Im Lukasevangelium wird uns diese besondere Rolle Marias vor Augen gestellt. In der Begegnung mit dem Engel Gabriel wird sie mit der Absicht Gottes konfrontiert. Nicht ohne Unsicherheit und Fragen ringt sie sich durch zu ihrem Ja: "Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe wie du es gesagt hast" (Lk 1,38). An diesem Ja hängt alles. Für den Glauben der Kirche war es klar, dass Maria dieses Ja nur deshalb sagen konnte, weil Gott ihr dazu die Gnade gegeben hat. Und im Anschluss an das Wort des Engels beten wir bis heute "Du bist voll der Gnade, der Herr ist mit dir." Durch ihr Ja hat sich Maria mit ihrem ganzen Leben zur Verfügung gestellt. Sie hat in ihrem Leben Gott Raum gegeben - und so konnte er, der vom Himmel kommt, "aus der Erde wachsen". Und so konnte Bischof Hemmerle im Leben von Maria erkennen, wie Gott seine Dinge tut.
Im Irdischen - das Himmlische
"Was vom Himmel fällt, muss aus der Erde wachsen." Dieses Grundgesetz des Handelns Gottes gilt auch für das Leben und Wirken der Kirche. Es ist - auf der einen Seite - eine ganz und gar menschliche Geschichte, manchmal sogar eine allzu menschliche Geschichte, in der es auch Versagen und Schuld gibt. Niemand kann das leugnen. Aber es ist zugleich - auf der einen Seite - eine Geschichte, in der durch die Gnade Gottes das Göttliche gegenwärtig und lebendig ist und bleibt. Das, was mit Jesus Christus vom Himmel gekommen ist, das wächst immer wieder neu aus der Erde. Jede und jeder Heilige ist ein Beweis dafür. Angefangen von Petrus, der den Herrn verleugnet hat, sind es Menschen durch und durch. Auch mit ihren Grenzen und Fehlern. Aber die Gnade Gottes ist stärker. Sie bricht sich Bahn, und so werden diese Menschen zu lebendigen und einladenden Hinweisen auf Gott, der nicht nur zu uns gekommen ist, sondern unter uns gegenwärtig bleibt. In diesen Menschen und durch sie wirkt Gott. Das gleiche gilt für die Bibel. Das Christentum ist nicht (wie manche fälschlich sagen) eine Buchreligion, sie ist die Religion des Wortes Gottes. Besser: die Religion des Mensch gewordenen Wortes Gottes. Dieses Wort Gottes ist Jesus (vgl. Joh 1,14). Und dieses Wort Gottes wird bezeugt in der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testamentes. Auch hier hat Gott Menschen - die biblischen Schriftsteller (Hagiographen), Evangelisten, Apostel usw. in sein Wirken einbezogen. Und so ist das göttliche Wort in menschlichen Worten zur Sprache gekommen. Die Heilige Schrift ist - wie es das Zweite Vatikanische Konzil gesagt hat - Gotteswort im Menschenwort.
Und ein letztes Beispiel: die heilige Eucharistie. Sie ist eine besondere Gegenwart Jesu. Sie ist göttliche Gegenwart in den irdischen Gaben von Brot und Wein. Am Abend vor seinem Leiden hat Jesus diese Gaben genommen und sie zu Gaben seiner heiligen Gegenwart gemacht - bis heute und in alle Zukunft. Nicht zuletzt hier gilt: "Was vom Himmel fällt, muss aus der Erde wachsen."
Die Berufung Marias - unsere Berufung
Im gleichen Vortrag, dem wir das Thema dieser Überlegungen entnommen haben, hat Bischof Klaus Hemmerle auch eine für ihn einzigartige und prägende Erfahrung erzählt. Zusammen mit Bischöfen aus anderen Kirchen hat er in Istanbul die Hagia Sophia besucht, die heute vor allem eine Sehenswürdigkeit ist, früher eine Moschee war, und noch früher eine christliche Kirche gewesen ist. In diesem Raum voller Religion und Geschichte gingen dem Bischof viele Gedanken durch den Kopf. Er erzählt: "Etwas ratlos und hilfesuchend schweiften unsere Blicke umher, und plötzlich - Da! Oben in der Kuppel schimmerte zart und unauffällig, sich zurücknehmend und doch unübersehbar, ein altes Mosaik: Maria, die ihr Kind darbietet. Da wurde mir deutlich: Ja, das ist Kirche! Ganz einfach da sein, und aus sich Gott, den abwesenden Gott, hervorkommen lassen. Das Wort Theotokos - Gotteshervorbringerin, Gottesgebärerin - bekam plötzlich für mich einen ganz neuen Klang. Mir wurde klar, dass wir den Glauben der Welt nicht organisieren können, wir können nicht draufschlagen, wenn niemand mehr was von Gott hören will, und sagen: Wehe euch! Auch wir können nur da sein und den abwesenden Gott aus uns hervorkommen lassen. Wir können ihn ncht machen, aber gebären. Wir können ihn nicht behaupten, aber seine Schale und sein Himmel sein, aus dem er aufscheint in aller Unscheinbarkeit. Und so verstand ich nicht nur, was heute unsere Aufgabe ist als Kirche, sondern wie Kirche im Bild Mariens und wie Maria im Bild der Kirche, wie die beiden Bilder und die beiden Wirklichkeiten in einem sind."
In diesem Mosaik ist dem Bischof auf neue Weise verständlich geworden, worin die einzigartige Bedeutung Marias besteht. Aber er hat auch ein zweites erkannt: Die Berufung der Gottesmutter ist das Vorbild für die Berufung der Kirche. Was immer die Kirche tut - sie hat eigentlich nur eine Aufgabe: In ihren vielen Aktivitäten soll sie dafür Sorge tragen, dass in und durch ihren gelebten Glauben, ihre Liebe und ihre Hoffnung Christus und so Gott mitten in der alltäglichen Geschichte gegenwärtig und wirksam werden und bleiben kann.
Das ist aber nicht nur die Berufung der Kirche als ganzer, sondern auch die Berufung jedes und jeder einzelnen in ihr. So wie Maria ihr Ja gesagt hat, so kommt es auch auf unser Ja an. Unsere Zustimmung ist gefragt, damit Gott Raum erhält und so seine Gegenwart unter uns möglich wird. Wir können "Schale und Himmel" für Gott werden. Wir können Gefäß sein; den Inhalt muss Gott geben. Und er gibt ihn - da dürfen wir ganz sicher sein.
Univ.-Prof.Dr.Bernhard Körner
ist Priester der Diözese Graz-Seckau und
Dekan der Katholischen-Theologischen Fakultät in Graz
Die Aufnahme Mariens
in den Himmel
Am 1. November, dem Allerheiligenfest 1950, erklärte Papst Pius XII. feierlich: "Die unbefleckte immerwährende Jungfrau Maria ist, nachdem sie ihren irdischen Lebenslauf vollendet hatte, mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden." Über dieses letzte von der Kirche verkündete Dogma wollen wir im folgenden nachdenken und die Konsequenzen für unser Leben daraus ziehen.
Mit Leib und Seele
Was bedeutet es, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde? Gehen wir zum Apostel Paulus in die Schule. Er schreibt zunächst: "Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben? Was für eine törichte Frage!" (1 Kor 15,35f).
Sollen wir uns also über den Auferstehungsleib überhaupt keine Gedanken machen? Dem widerspricht Paulus selbst, wenn er versucht, uns dieses Geheimnis unserem Verständnis näher zu bringen. Er erläutert: "Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib" (1 Kor 15,43f). Um aus dem irdischen Leib einen überirdischen (wörtl. "geistigen") Leib zu schaffen, ist jedenfalls ein schöpferischer Eingriff Gottes, ein Wunder Gottes notwendig.
Die völlige Andersartigkeit des verklärten Leibes macht uns der Blick auf die Eucharistie verständlich. Der Priester spricht über das Brot: "Das ist mein Leib." Hier wird deutlich: Einerseits hat dieser Leib mit dem irdischen Jesus zu tun, andererseits handelt es sich um eine ganz andere Leiblichkeit als die des irdischen Jesus. Hier könnten wir auch an die Totenpräfation denekn, in der es heißt: "Denn deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen." Der verklärte Leib ist ein radikal verwandelter Leib!
Radikal neu und doch mit der Lebensgeschichte verbunden
Weshalb wird aber von Maria gesagt, dass sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, wenn dieser Leib doch so ganz andersartig ist als unser irdischer Leib, wie Paulus sagt, ein "Geistleib" ist? Deshalb, weil Maria auch in der Herrlichkeit Gottes mit ihrer irdischen Geschichte verbunden bleibt. Um das auch biblisch zu begründen, sei auf das Gleichnis vom treuen Knecht, hingewiesen: "Selig der Knecht, den der Herr damit bechäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen" (Lk 12,43f).
Der endzeitliche Lohn besteht also nicht im Ausruhen von den Pflichten, sondern in gesteigerter Tätigkeit und höchster Verantwortung. Oder denken wir an das Wort aus der Ofenbarung des Johannes: "Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen" (Offb 3,21).
Maria hat in ihrem irdischen Leben, wie niemand anderer Jesus treu gedient, deshalb darf sie im Verklärungsdasein (mit ihrem verklärten Leib) mit Jesus herrschen wie sonst niemand.
Maria, brennt darauf, uns zu helfen
Maria, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.
Wir können sagen: Ihre irdische Berufung setzt die Gottesmutter in gesteigerter Weise im Himmel fort. Ohne Erbsünde empfangen, war sie befähigt, das "ja" zum Kommen des Erlösers in diese Welt zu sagen. Und diesem Erlöser diente sie ihr ganzes Leben, obwohl das auch bedeutet, dass ein Schwert ihr Herz (vor allem bei seinem Kreuzestod) durchdrang.
Voll Hoffnung erflehte sie im Abendmahlsaal mit den Aposteln und anderen Frauen den Heiligen Geist. Das Leben Mariens stand also unter dem Motto "Für Jesus". Diese Aufgabe führt sie aber im Himmel fort. Sie will uns zu Jesus in seine Kirche führen: durch die Liebe zu seinem Wort und Sakrament, durch die Liebe zu seinen Brüdern und Schwestern. Das Konzil sagt, dass Maria in der Ordnung der Gnade unsere Mutter sei.
Aber weiter heißt es: "In den Himmel aufgenommen, hat sie diesen heilbringenden Auftrag nicht aufgegeben, sondern fährt durch ihre vielfältige Fürbitte fort, uns die Gaben des ewigen Heils zu erwirken. In ihrer mütterlichen Liebe trägt sie Sorge für die Brüder ihres Sohnes, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefahren und Bedrängnissen weilen, bis sie zur seligen Heimat gelangen."
Neuaufbruch ohne Maria?
Es wird viel von Neuevangelisierung, Neuaufbruch, ja sogar von einem dritten Vatikanischen Konzil gesprochen. ch bin davon überzeugt, dass, so wichtig manche Neuerung sein mag, ohne Maria, ohne ihre Christusliebe und Demut, diese Bemühungen nicht den gewünschten Erfolg bringen werden.
Allerdings müssen wir diesen Weg mit Maria zuerst selbst entschiedener gehen: ein erster Schritt ist der gut gebetete Rosenkranz, der unser Leben ändert; die in den Himmel aufgenommene Gottesmutter will uns ganz sicher dabei helfen.
P. Benno Mikocki OFM
Nicht als ein Bild für Mariens Gehorsam gemeint
Aus einem kleinen Briefwechsel mit dem bekannten Bibelwissenschafter Prof. Norbert Lohfink.
P. Benno:
Herr Professor Lohfink, Sie schreiben in der Schrift "Lobgesänge der Armen" am Beispiel des Magnifikat im Abschnitt 6: "Das Wunder, das Gott an ihr, der Magd, jetzt gewirkt hat, ist für sie also nichts anderes als der Endpunkt und die Aufgipfelung all der Wunder, die er vorher schon an seinem Knecht, dem Volk Israel, gewirkt hat. In ihr versammelt sich gewissermaßen die ganze Geschichte Israels und bringt nun durch Gottes Erbarmen den Heiland der Welt hervor." Meine Frage lautet nun: Wenn Sie vom Wunder sprechen, das Gott an Maria gewirkt hat, ist hiermit das Wunder der jungfräulichen Empfängnis gemeint? Oder handelt es sich bei der jungfräulichen Empfängnis Jesu nur um ein Bild, eine Darstellungsform für die Verfügbarkeit, für den Gehorsam Mariens? Müsste man also Wunder unter Anführungszeichen setzen?
Prof. Lohfink:
Wenn ich von "Wunder" sprach, so meinte ich alles zusammen, worüber die Engelsbotschaft geht, also das ganze Kommen des verheißenen Messias. Dass sie also die Mutter des Herrn wurde. Doch das umschließt auch die jungfräuliche Empfängnis des Kindes, von der Lukas in der Erzählung ja klar spricht und die sicher nicht als reines Bild für Marias Gehorsam gemeint ist. Wenn sie mich allerdings fragen, welches von den kirchlichen Mariendogmen am meisten zu der Aussage von dem "Wunder", das Gott an Maria gewirkt hat und das sie in Kontinuität zu den Wundern, die er an Israel gewirkt hat, stellt, passt und mir damals, als ich das Büchlein schrieb, vor allem vor Augen stand, so war es das Dogma von ihrer eigenen unbefleckten Empfängnis. In ihr beginnt - aus der Kraft von Tod und Auferstehung Jesu - eine neue, nicht mehr der alten Sündengestalt verhaftete Welt, und diese neue Welt hat Gott in seinem Volk Israel langsam heranwachsen lassen. Das vor allem stellt den Zusammenhang mit Israel her.
P. Benno:
Herzlichen Dank für Ihre Antwort auf meine Anfrage.
Maria - Mutter und Lehrerin
In den Tagen nach der Auferstehung des Herrn blieben die Apostel, getröstet von der Gegenwart Marias, vereint und nach der Himmelfahrt verharrten sie mit ihr zusammen in betender Erwartung des Pfingstereignisses. Maria war für sie Mutter und Lehrerin, und sie hat diese Rolle bis heute für die Christen aller Epochen. Jedes Jahr in der Osterzeit erleben wir dies noch tiefer, und vielleicht ist in der Volksfrömmigkeit gerade aus diesem Grund der Monat Mai, der normalerweise zwischen Ostern und Pfingsten liegt, der Jungfrau Maria geweiht. Dieser Monat dient uns daher zur Wiederentdeckung der mütterlichen Aufgabe, die Maria in unserem Leben erfüllt, damit wir stets fügsame Jünger und mutige Zeugen des auferstandenen Herrn seien.
Ansprache Papst Benedikt XVI.
Heilige Maria von Lourdes
1858 - 2008 - 150 Jahre Lourdes
Wir alle wissen, dass die selige Jungfrau bei der Grotte von Massabielle Gottes zärtliche Liebe zu den Leidenden offenbart hat. Diese zärtliche und fürsorgliche Liebe ist am Festtag Unserer Lieben Frau in Lourdes in der Welt besonders deutlich spürbar, da an diesem Tag in der Liturgie und besonders in der Eucharistie das Mysterium Christi, des Erlösers der Welt, dessen Erstlingsfrucht die Unbefleckte Jungfrau ist, erneut gegenwärtig wird. Als die allerseligste Jungfrau Maria sich Bernadette als die Unbefleckte Empfängnis offenbarte, da kam sie, um die moderne Welt daran zu erinnern, dass die göttliche Gnade, die stärker ist als Sünde und Tod, den höchsten Stellenwert besitzt, eine Tatsache, die die Welt damals zu vergessen drohte.
Ansprache Papst Benedikt XVI.
Gedanken zum Fest
der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
8. Dezember
Vor kurzem fragte jemand: Ich kenne mich da nicht aus - am 8. Dezember feiern wir das Fest der Unbefleckten Empfängnis und schon am 25. Dezember die Geburt Jesu. Hinter dieser Frage steht die falsche Auffassung, dass mit der Unbefleckten Empfängnis die jungfräuliche Empfängnis Jesu gemeint sei. Doch meint dieses Fest, dass Maria ohne Erbsünde von ihrer Mutter Anna empfangen wurde. Das eingangs erwähnte Missverständnis mag darauf hinweisen, dass man mit der Unbefleckten Empfängnis nichts rechtes anzufangen weiß. Machen wir uns daher über das heutige Fest einige grundlegende Gedanken.
Der heilige Rest Durch den Propheten Jeremias muss Gott dem auserwählten Volk Israel den Vorwurf machen: "Mein Volk hat doppeltes Unrecht verübt: Mich hat es verlassen, den Quell lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten. (Jer 2,13).
Ohne Bild gesprochen: Israel ist gegen Gott und sein Wort ungehorsam gewesen um statt dessen Götzen nachzulaufen.
Doch gibt es in Israel einen heiligen Rest, der Gott die Treue gehalten hat, wie der Prophet Jesaja sagt: "Dann wird der Rest von Zion und wer in Jerusalem noch übrig ist, heilig genannt werden, jeder, der in Jerusalem ins Verzeichnis derer, die am Leben bleiben sollten, eingetragen ist" (Jes 4,3). Gebrauchen wir einen Vergleich: wenn bei einer Schularbeit alle Schüler ein "nicht genügend" schreiben, wirft dies nicht auch ein schlechtes Licht auf den Lehrer?
Fordert die Weisheit und Liebe Gottes nicht diesen heiligen Rest der seine "Aufgabe" erfüllt hat?
Gott will das 'ja' des Menschen Gott wollte den von Israel gebrochenen Bund erneuern und vertiefen: durch die Menschwerdung seines Sohnes. Aber Gott will diesen erneuerten Bund nicht ohne die Zustimmung des Menschen. So erwählt Er aus dem heiligen Rest Israel eine, die an Stelle des Volkes Israel, schließlich aber aller Menschen 'ja' sagen sollte zum Kommen Jesu in diese Welt.
Die Sünde des Menschen von Anfang an ist der Ungehorsam gegen Gott. Maria hingegen ist vom Anfang ihres Daseins an von Gott besonders begnadet zum Gehorsam gegen sein Wort. Wenn Maria in der größten Stunde ihres Lebens das "Siehe, ich bin die Magd des Herrn" sprechen konnte, hat sie sich sicher schon vorher in ihrem jungen Leben im Hören auf Gottes Wort eingeübt. Ohne Erbsünde empfangen: das meint die einzigartige Begnadung Mariens zum Gehorsam Gott und seinem Wort gegenüber.
"Dein Glaube, o Maria hat dem Herrn die Tür in diese Welt geöffnet." (J. Ratzinger - Papst Benedikt XVI.)
Aber: "Unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt" (Rö 11,29). So bleibt die Aufgabe Mariens, uns Jesus zu bringen. Sie will uns helfen zum Gehorsam gegen Gottes Wort: in der schlichten (und doch nicht so einfachen) Form des Jesusgebetes des Westens, des Rosenkranzes. Die Mutter Jesu möchte uns aber auch hinführen, helfen, dass wir die Bibel in die Hand nehmen und das Wort Gottes betrachten; das kann vor allem in der Form geschehen, dass wir die biblischen Texte bedenken, die uns die Liturgie vorlegt. Viel Unheil in der Kirche kommt daher, dass Gottes Wort zu wenig Beachtung findet. Die Ursünde des Ungehorsams ist auch in der Kirche unheilvoll wirksam.
Selig Wir kennen die Begebenheit, als eine Frau aus dem Volk die Mutter Jesu wegen eines solchen Sohnes seligpreist. Die Antwort Jesu: "Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen" (Lk 11,28).
Maria hat in vorbildlicher Weise auf Gottes Wort gehört - deswegen dürfen wir sie seligpreisen. Aber die hl. Maria will auch uns helfen, Gottes Wort zu betrachten und ins Leben hineinzunehmen: Weil wir nur so unseren Weg erkennen können, der zu Gott und zum Leben führt. Und das bedeutet inneres Glück, Seligkeit.
P.Benno Mikocki OFM, Geistlicher Leiter des RSK
Zum Abschluß des Fatimajahres - Die letzte Erscheinung am 13.Oktober 1917
Je näher der 13. Oktober kam, umso mehr wuchs die Spannung in Aljustrel. Man hatte den Eltern zu verstehen gegeben, dass es den Kindern schlecht ergehen würde, wenn das Wunder ausbliebe. Ruhig und vertrauensvoll blieben nur die Kinder. Obwohl es in Strömen regnete, waren über 50.000 Menschen gekommen.
Lucia schreibt:"Meine Mutter, die fürchtete, dies werde der letzte Tag meines Lebens sein, und der die Ungewissheit über das Kommende das Herz zeriss, wollte mich begleiten. Auf dem Weg die Szenen des vergangenen Monats, aber noch zahlreicher und bewegender: Nicht einmal der Schlamm auf den Wegen konnte die Leute aufhalten, sich in demütiger und bittender Haltung niederzuknien. Wir kamen bei der Steineiche an, und unter einer inneren Eingebung bat ich das Volk, die Regenschirme zu schließen, um den Rosenkranz zu beten. Kurz darauf sahen wir den Lichtschein und dann Unsere Liebe Frau über der Steineiche. "Was wünschen Sie von mir?" "Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll. Ich bin Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten. Der Krieg geht zu Ende, und die Soldaten werde in Kürze nach Hause zurückkehren."
"Ich wollte Sie um vieles bitten: Ob Sie einige Kranke heilen und einige Sünder bekehren möchten ..." "Einige ja, andere nicht. Sie müssen sich bessern und um Vergebung ihrer Sünden bitten."
Und mit traurigen Ausdruck fügte Sie hinzu; Man soll den Herrgott nicht mehr beleidigen, der schon so sehr beleidigt worden ist."
Sie öffnete die Hände und ließ sie im Sonnenlicht erstrahlen; während Sie sich erhob, strahlte ihr eigenes Licht von der Sonne wider... Darum rief ich, man solle auf die Sonne schauen...
Nachdem Unsere Liebe Frau in der unendlichen Ferne des Firmaments verschwunden war, sahen wir dann zur Seite der Sonne den heiligen Josef mit dem Jesuskind und Unsere Liebe Frau in Weiß gekleidet mit einem blauen Mantel. Der heilige Josef mit dem Jesuskind schien die Welt mit einer Handbewegung in Kreuzesform zu segnen. Kurz darauf verschwand diese Erscheinung. Dann sahen wir Unseren Herrn und Unsere Liebe Frau von den Schmerzen. Unser Herr schien die Welt in gleicher Weise zu segnen wie der heilige Josef. Diese Erscheinung verschwand, und ich meine wohl, dass ich auch noch unsere Liebe Frau vom Karmel gesehen habe." Die Menge schaute atemlos verzückt während dieser Zeit ein anderes Schauspiel, das sogenannte "Sonnenwunder": "Der Regen hatte plötzlich aufgehört, die Wolken waren zerrissen und die Sonnenscheibe wurde sichtbar. Doch sie schien silbern wie der Mond. Mit einem Male begann die Sonne mit ungeheurer Geschwindigkeit wie ein Feuerrad um sich selbst zu kreisen, gelbe, grüne, rote, blaue und violette Strahlenbündel werfend, die Wolken, Bäume, Felsen, Erde und die ungeheure Menge in phantastische Farben tauchten. Einen Augenblick hielt die Sonne an, und dann begann der Tanz der Feuerscheibe von neuem. Und das noch ein drittes Mal.
Plötzlich hatten alle den Eindrück, als löse sich die Sonne vom Firmament und falle auf sie nieder. Ein vieltausendstimmiger Schreckensschrei gellte auf, Rufe der Reue und des Glaubens. Viele warfen sich in den Schlamm auf die Knie. Da kehrte die Sonne schwankend, zitternd auf ihren Platz zurück.
Das ganze dauerte gut zehn Minuten. Leute verschiedenen Standes und Bildungsgrades haben es gesehen. Sogar Leute, die fünf und mehr Kilometer vom Erscheinungsort entfernt waren, Sternwarten und Observatorien konnten davon allerdings nichts registrieren. Es war eben ein wunderbares Phänomen, das die außerordentliche Botschaft von Fatima eindrucksvoll bestätigen sollte."
Francisco und Jacinta Marto starben, wie vorhergesagt, bald. Francisco an Lungenentzündung am 4. April 1919, Jacinta an Tuberkulose am 20. Februar 1920. Sie haben ihr Todesleiden heroisch ertragen. Am 13.Mai 2000 wurden sie von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Ein Heiligsprechungsverfahren ist eingeleitet.
Lucia trat zuerst in den Orden der Dorotheerinnen einund später mit Zustimmung des Papstes in den Karmel. Sie scheute aber die Öffentlichkeit und erinnerte nur von Zeit zu Zeit den Bischof oder den Papst an die Appelle der Gottesmutter, denen nach ihrer Meinung hier und nun zu entsprechen wäre. Einen guten Kontakt hatte Sr. Lucia zu Papst Johannes Paul II., der nach dem Attentat vom 13.Mai 1981 für die Botschaft von Fatima besonders aufgeschlossen war. Sr Lucia verstarb am 13. Februar 2005 im Karmel von Coimbra.
Papst Benedikt XVI. nennt Fatima die prophetischste der neuzeitlichen Marienerscheinungen. Als Kern dieses Zeichens vom Himmel können wir die Worte ansehen: "Die Menschen sollen aufhören Gott zu beleidigen". Als Mittel für eine Lebenswende bittet Maria um das tägliche Rosenkranzgebet. Stellvertretend sollen wir durch unser Gebet und Opfer (zum Beispiel tägliche Pflichterfüllung) auch für die eintreten, die Gott nicht ernst nehmen und IHN dadurch beleidigen. Wenn auf die Botschaft von Fatima gehört wird, kann dies auch zum Frieden indieser Welt beitragen.
Entnommen aus: Fatima Geschichte und Bedeutung, Josef Bauer, hrsg v. RSK 1980, S31
Marienwallfahrtsort der Christen
im Heiligen Land:
"Unsere Liebe Frau, Königin von Palästina"
Es gibt mehrere Stätten im Heiligen Land, die eng mit dem Leben Mariens verbunden sind wie Betlehem, Nazaret, Ein Karem oder Kana.
Doch das Heiligtum "Unserer Lieben Frau, Königin von Palästina" in Deir Rafat mit seinem geistlichen Zentrum, der tätigen Nächstenliebe in Gestalt eines Waisenhauses mit Schule, ist schon etwas ganz spezielles für die Diözese des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem.
Historische Kulisse biblischer Ereignisse
Schon in der Zeit des Alten Testaments bildet die Gegend um Deir Rafat die historische Kulisse der Simsongeschichte (Ri 15,4-5). Ganz in der Nachbarschaft liegt Bet Shemesh, von wo aus die Philister die geraubte Bundeslade den Israeliten zurückgeschickt hatten (1 Sam 6,1-18). Und nur 6 Kilometer davon entfernt befindet sich Beit Jamal, die Heimat Gamaliels, des Lehrers von Paulus, dem Völkerapostel.
Seit den Anfängen des Christentums bis in die byzantinische Zeit hinein herrschte hier ein reges christliches Leben, das erst durch den Araberansturm im siebten Jahrhundert jäh unterbrochen wurde.
Nicht zuletzt aufgrund dieser reichen biblischen Vergangenheit der Region erwarb das Lateinische Patriarchat 1859 dort ein Grundstück.
Maria segnet ihre irdische Heimat Während der Wirren des Ersten Weltkriegs ließ Patriarch Louis Barsselina in seinem unerschütterlichen Vertrauen auf die Hilfe Mariens, der Mutter aller Christen, die Kirche und das Waisenhaus errichten und weihte am 15. Juli 1920 seine Diözese Jerusalem seiner himmlischen Mutter unter dem Titel "Unserer Lieben Frau, Königin von Palästina". Er war fest davon überzeugt, dass Maria im Heiligtum von Deir Rafat ihren Gnadenthron aufschlagen und von dort aus ihre irdische Heimat unter einen besonderen Schutz stellen würde.
Mit der Anrufung in arabischer Sprache an die Mutter des Erlösers wurde der Weiheakt in der Auferstehungskirche (Grabeskirche in Jerusalem) am 15. Juli 1920 feierlich besiegelt. 1933 hat Rom das Fest für den 25. Oktober in den liturgischen Kalender aufgenommen. Seitdem ist das nebenstehende Mariengebet zu einem festen Bestandteil des Glaubenslebens der Christen im Heiligen Land geworden: in den Familien, den Schulen und religiösen Institutionen. Über der Fassade des Gotteshauses befindet sich eine überlebensgroße Bronzestatue der "Regina Palestinae". Segnend hält sie ihre Rechte über das Land Palästina. Gestaltet wurde die Statue 1929 von dem italienischen Künstler Franco Tosi.
Durch den Gruß des Engels Brücke zur Weltkirche Das Innere der Kirche ist ausgestaltet mit dem Gruß des göttlichen Boten an Maria in 280 Sprachen. Patriarch Barlessina hatte in den 20er Jahren alle Bischöfe der Welt angeschrieben mit der Bitte, ihm die wortgetreue Übersetzung des "Ave Maria" in ihrer Heimatsprache zukommen zu lassen. Und damit war eine Brücke "Unserer Lieben Frau, Königin von Palästina" zu der ganzen Weltkirche geschlagen. Bei der Anbringung der 280 Grußworte des Engels Gabriels half damals ein junger Theologiestudent namens Guiseppe Giacomo Beltritti. Jahrzehnte später, 1970, wurde er Lateinischer Patriarch von Jerusalem. Heimgeholt wurde er im hohen Alter von seiner "himmlischen Mutter" während eines Rosenkranzgebets, nachdem er nach seiner Abdankung im Jahre 1987 sein geliebtes Deir Rafat als Alterssitz gewählt hatte.
Gebet und Gnadenbild in jeder Familie Das Wallfahrtsbild am rechten Seitenaltar zeigt Maria in einer liebevollen Ausstrahlung mit den gütigen Augen einer Mutter und gleichzeitig als die kraftvolle, prophetische Gestalt, die im Magnifikat zur Befreiung aufruft und zugleich menschlich nahe ist, entspannt und voller Hingabe, weil sie nicht habsüchtig nach Macht strebt; die davon spricht, dass Gott de Mächtigen vom Thron stürtzt und die Reichen leer ausgehen lässt; die in ihrem Protest nicht fordert, sondern hinweist, nicht tadelt, sondern offenbart, nicht verabsolutiert, sondern offen bleibt in der innigen Bindung an ihren Herrn.
Es gibt wohl keine christliche Familie im Heiligen Land, ob katholisch oder orthodox, die nicht das Gnadenbild mit dem Gebet an ihre Königin bei sich zu Hause hätte.
Geschaffen hatte das 2,70 x 1,70 Meter große Ölgemälde die italienische Ordensfrau Suor Giovannina, nachdem sie von Papst Pius X. nach Jerusalem entsandt worden war, um dort eine Künstlerschule zu gründen.
Friedenssehnsucht der Ortskirche Alljährlich strömen Riesenschlangen mit zig Bussen am letzten Sonntag im Oktober die kleine Anhöhe hinauf, die mit ihrer Wallfahrtskirche das biblische Sorektal beherrscht.
Selbst die Grenzen und Mauern der Westbank sind an diesem Tag quasi geöffnet, sodass auch die Christen aus Betlehem, Ramallah, Nablus oder Jericho durch eine Sondererlaubnis dieses Fest mit ihrer "Himmlischen Mutter" mitfeiern können.
Wer zu Hause bleiben muss, dem bietet sich immer noch die Möglichkeit, über israelische und palästinensische Radio- und Fernsehstationen auf andere Weise dabei zu sein.
Natürlich ist jedes Jahr die Wallfahrtskirche viel zu klein, damit sie all die vielen Menschen fassen kann. Also entschließt man sich kurzerhand, wie in einer großen Familie zu improvisieren und hält den Gottesdienst im Freien ab, zumal auch Petrus normalerweise einen strahlenden Himmel beschert.
Aber nicht nur die Christen der Ortskirche bezeugen an diesem Tag ihre Verbundenheit bei diesem Festgottesdienst, auch zahlreiche Pilger aus dem Ausland zeigen durch ihre Anwesenheit, dass ihre Brüder und Schwestern hier nicht vom Rest der Weltkirche vergessen sind.
Im Vertrauen auf die Macht des Gebetes und der Fürbitte Mariens, zu der alle als der Friedenskönigin ihre Zuflucht nehmen, beschwören die Ortschristen ihre Friedenssehnsucht in diesem von so vielen Schwierigkeiten und Spannungen geschüttelten Land. Auch wenn die Großen der Welt und die Politiker nicht immer ihren Friedenswillen unter Beweis stellen, so kann den Gläubigen doch niemand den festen Glauben aus den Herzen reißen, dass bei Gott kein Dind unmöglich ist, selbst der so schwer zu realisierende Frieden im Land der Bibel. Ist doch Maria die Mutter und Friedenskönigin aller, die dieses Land als das Heilige bezeichnen: für Christen, Juden, Muslime und Drusen.
Am Ende des feierlichen Gottesdienstes geleiten junge Männer die Statue ihrer "Lieben Frau von Palästina" auf Tragstöcken gleichsam als die "Bundeslade des Neuen Testaments" in einer feierlichen Prozession durch die Menge in die Wallfahrtskirche.
Der Gottesdienst an diesem Tag bedeutet mehr als nur eine liturgische Feier. Er trägt den Charakter eines Familienfestes der "Kinder Palästinas", geschart um ihre Mutter. Freudenjauchzer werden spontan angestimmt, wie es im Orient bei Hochzeiten üblich ist, indem Frauen in ein überschwängliches Trällern ausbrechen.
Diese ansteckende Freude liegt oft noch Stunden später über dem anmutigen Hügel, wenn die Menschen in kleinen Gruppen sich zusammenfinden, um ihre mitgebrachten Picknickbrote miteinander zu teilen.
Diese Christen, denen es aufgegeben ist, das Erbe ihrer Vorfahren als der "Mutterkirche" von Jerusalem durch ihr Leben zu bezeugen, sind zwar nur eine kleine Herde: 2,1 Prozent im Vergleich zur Gesamtbevölkerung des Landes. Doch diese Herde wird an einem solchen Tag erneut gesegnet mit der Zusage ihres göttlichen Meisters: "Fürchtet euch nicht! ... Ich bin alle Tage bei euch ... Seht, hier eure Mutter; und du, meine Mutter, siehe, hier deine Kinder."
Dr.Karl-Heinz Fleckenstein
Quellen: Archivio Patriarcato Latino, Jerusalem Le Moniteur Diocesain, Jerusalem, Nr. 1, 2001
Gebet:
"O Maria, du Unbefleckte,
wohlwollende Königin des Himmels und der Erde,
schaue auf uns mit Zuversicht und Güte,
mit deiner unbegrenzten Macht der Fürbitte.
Wir bitten dich,
blicke voller Mitleid auf dein Land Palästina,
das mehr als irgendein anderes Land dir gehört,
weil du dort geboren bist und weil du dort der
Welt den Erlöser geschenkt hast.
Bedenke doch, dass der Herr dich uns als
fürsorgende Mutter gegeben hat.
Deshalb gewähre einen besonderen Schutz
deiner irdischen Heimat.
Wende von diesem Land alle Schatten der Irrtümer.
Lass dort die Sonne ewiger Gerechtigkeit scheinen.
Auf deine Fürbitte hin möge das Gebet deines göttlichen Sohnes
in Erfüllung gehen:
Auf dass ein Hirte und eine Herde sei.
Erbitte uns allen die Gnade, dass wir dem Herrn
in Freuden dienen,
in Heiligkeit und Gerechtigkeit alle Tage
unseres Lebens.
Damit wir durch de Verdienste Jesu und durch deine
mütterliche Hilfe von diesem irdischen Jerusalem
eines Tages in die Erfüllung des himmlischen
hinüber gehen dürfen."
Zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel
15. August
"In den Himmel aufgenommen, hat sie (Maria) diesen heilbringenden Auftrag nicht aufgegeben, sondern fährt durch ihre vielfältige Fürbitte fort, uns die Gaben des ewigen Heils zu erwirken." (Zweites Vatikanisches Konzil)
Maria möchte uns die "Gaben des ewigen Heils" erbitten; das ist eine größtmögliche Nähe zu Jesus; so wie sie diese gehabt hat. Jesus immer tiefer erkennen und IHN - auch durch den Dienst an der Kirche und am Nächsten - lieben, das möchte uns Maria durch ihre Fürbitte erwirken.
Freilich dürfen wir die Gottesmutter auch in unseren irdischen Nöten anrufen; aber es sollte die Ordnung gewahrt bleiben: "Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen..." (Mt 6,33).
Der Mächtige hat Großes an mir getan
In Ihrem Lobgesang auf Gott, im Magnifikat, kündet Maria an: "Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter, denn der Mächtige hat Großes an mir getan" (Lk 1,48-49). Mit dem "Siehe" spricht Maria Elisabeth an, die sie kurz zuvor selig gepriesen hat: "Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ" (1,45).
Maria darf mit klarem Blick erkennen und in ihrer kühnen Prophezeiung aussprechen, dass Elisabeth einen Anfang gesetzt hat, der durch alle Zeiten weitergeführt wird. Nie werden die Menschen aufhören, wie Elisabeth Maria selig zu preisen. Der Grund dafür ist aber, dass Gott Großes an ihr getan hat. Nur Gott selber und sein Handeln wird die Menschen bewegen, Maria selig zu preisen. Was ist aber dieses Große, von dem Maria spricht und das Gott getan hat?
Das große Handeln Gottes Vor Maria sprechen der Engel und Elisabeth. Sie sagen uns, was Gott an Maria getan hat, was also dieses Große ist. Der Engel spricht sie an: "Freue dich! Gott hat dich begnadet. Der Herr ist mir dir" (1,28; wörtliche Übersetzung). Gott hat Maria begnadet, das heißt, er hat sie so geschaffen, dass sie seiner Liebe würdig ist, dasss sie ganz von der Liebe Gottes erfasst ist und nicht in ihr dieser Liebe entzogen ist oder widersteht. "Der Herr ist mit dir", das heißt, Gott begleitet dich fortwährend mit seinem mächtigen Beistand, weil er dich für eine große Aufgabe im Dienst seines Volkes bestimmt hat. Maria ist die einzige Frau, der in der Heiligen Schrift diese Zusicherung gegeben wird. Sie ist auch die einzige, die, dementsprechend, "die Magd des Herrn" heißt. Der Engel versichert ihr dann noch einmal: "Du hast bei Gott Gnade gefunden" und nennt ihre große Aufgabe: Sie soll einen Sohn empfangen und gebären, der der Sohn des Höchsten ist und der alle Verheißungen Gottes für sein Volk erfüllt (1,30-33).
Die Liebe Gottes und der mächtige Beistand Gottes gelten also der Mutter seines Sohnes. Das ist die einzigartige Aufgabe, für die Gott Maria auserwählt hat: Sie soll die Mutter seines Sohnes sein. Durch sie soll sein Sohn, den er in die Welt und zu uns Menschen sendet, ins Leben treten. Alles, was jeder Mensch seiner Mutter verdankt und was er durch seine Mutter erhält, soll Maria dem Sohn Gottes geben. In dem Wort und in der Tatsache "Mutter Gottes" ist die Größe Marias beschlossen, und dieses Große verdankt sie einzig und allein Gott.
Was so groß und einzigartig ist, das hat Gott auch auf einmalige Weise bewirkt. Durch seinen Heiligen Geist, das heißt durch seine Schöpfermacht, nicht durch das Mitwirken eines irdischen Mannes, hat er in Maria seinen Sohn ins Leben gerufen (1,35). Als Jungfrau ist Maria die Mutter des Sohnes Gottes.
Auch Elisabeth stellt in ihren begeisterten Worten das Wirken Gottes in den Mittelpunkt. Gott hat dich mehr gesegnet als alle anderen Frauen. Du bist die Mutter meines Herrn. Du hast geglaubt das Gott erfüllt, was er dir sagen ließ (1,42-44). P.Dr.Klemens Stock SJ
Heilige Maria, Mutter Gottes,
du hast der Welt
das wahre Licht geschenkt,
Jesus, deinen Sohn - Gottes Sohn.
Du hast dich ganz
dem Ruf Gottes überantwortet
und bist so zum Quell der Güte geworden,
die aus ihm strömt.
Zeige uns Jesus. Führe uns zu ihm.
Lehre uns ihn kennen und ihn lieben,
damit auch wir selbst wahrhaft Liebende
und Quelle lebendigen Wassers werden können
inmitten einer dürstenden Welt.
Papst Benedikt XVI.
aus der Enzyklika"Gott ist die Liebe"
Maria, die Mutige
Die heilige Maria soll unser Vorbild sein, auch in ihrem Mut. Mut gehört zum Beispiel dazu, auf andere im Gespräch zuzugehen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das gar nicht so einfach ist. Ich versuche es oft auf Bahnfahrten. Und wenn das Gespräch in Gang gekom-men ist - dann die Frage stellen: "Wie halten Sie es mit der Religion?" Das kostet Mut! Aber interessant: Gerade mit jungen Menschen kommt man da in ein offenes Gespräch. Freilich: Der Gottesfrage wird meist ausgewichen.
Ein Tipp: Wenn über die Kirche losgezogen wird, versuchen Sie das Gespräch auf die Gottesfrage zu lenken; denn wenn es den Gott der Bibel nicht gibt, brauchen wir über die Kirche nicht mehr zu diskutieren.
Auf der Suche nach Gott kann man von der Natur ausgehen (Siehe den Artikel "Gottesgedanken namhafter Naturwissenschafter"). Aber dieses "höchste Wesen", auf das wir aus der Natur schließen können, gibt uns auf wesentliche Fragen (Sinn des Lebens, des Leids, Leben über den Tod hinaus?) keine Antwort. Dazu brauchen wir noch eine zusätzliche In-formation. Und diese bringt uns vor allem Jesus Christus. P.Benno Mikocki
Maria - Prophetin?
Wenn wir den Vers Lk 2,19 "Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach." betrachten, stoßen wir auf eine noch tiefere Bedeutung. Der evangelische Theologe Prof. Dr. Otfried Hofius schreibt zu dem griechi-schen Ausdruck "symballein": "Gegen die verbreitete Übersetzung 'erwägen, bedenken' spricht, dass diese Bedeutung sonst nicht belegt ist ... Da im Kontext des Verses 19 von außergewöhnlichen und geheimnisvollen Ereignissen die Rede ist, dürfte das Wort bedeuten: den wahren Sinn erfassen, die richtige Bedeutung treffen ... Im Unterschied zu den 'pantes' (=allen) von Vers 18, die sich über das von den Hirten berichtete (Vers 17) nur verwundern, weiß Maria um die wahre Bedeutung aller dieser Begebenheiten..."
Der ebenfalls evangelische Theologe W.C.van Unnik hat diesem Vers 19 und den darin vorkommenden griechischen Ausdruck "symballein" (Einheitsübersetzung: dachte darüber nach) eine eigene Studie gewidmet und kommt zu dem Ergebnis: "Im Lichte des griechischen Wortgebrauchs tritt auch zu Tage, welch eine besondere Stellung Maria hier einnimmt, denn jemand, der imstande ist, das symballein zu vollziehen, ist ein besonderer Mensch; Maria steht hier in der Linie derer, die das Gotteswort auslegen können, sie ist prophetisch tätig. Diese Feststellung galt sowohl in der jüdischen Welt, als auch in der hellenistischen (es sei dafür verwiesen auf Jakob, Daniel und Josephus, aber auch auf die Traumdeuter bei den Griechen). ... So wird diese Weihnachtsgeschichte in der Tat die Ein-leitung des Evangeliums. Die Himmelsstimme des Engels sagt von diesem Kinde: "Soter, Christos, Kyrios" (= Retter, Messias, Herr). Maria trifft in prophetischer Weise den rechten Sinn dieser Aussage, weil sie sieht, dass und wie es sein wird. Der Rest des Evangeliums ist die Explikation davon." P. Benno Mikocki